AUDITORIX: AKTUELLES

DEN TON ANGEBEN

Beruf: Dirigent

Bild: WDR/Claus Langer

Ob „die Violinen“, „die Klarinetten“, „die Kontrabässe“ oder „die Trompeten“ – alle hören sie auf Arjan Tiens Kommando. Der deutsch-niederländische Dirigent gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an im WDR Funkhausorchester. Und manchmal auch im Fernsehen wie in der im Mai 2016 ausgestrahlten Sendung „Klassik macht Ah!“ (WDR) mit Ralph Caspers. Wie man es schafft, dass ein Orchester gut klingt und warum Kinder manchmal die besseren Musiker sind, verrät der studierte Geiger und Bratschist im AUDITORIX-Interview:

Wie schafft man es, dass viele verschiedene Instrumente gut zusammen klingen?
Man lässt die Musiker zusammen atmen, mit der gleichen Artikulation spielen und eine gute Balance untereinander finden. So passen sich die Musiker mit ihrem Klang aneinander an.

Warum mögen wir lieber harmonische Musik als dissonante Klänge? Woran erkennen wir, dass etwas „schief“ klingt bzw. Töne nicht zueinander passen?
Harmonische Musik erregt in unseren Ohren ein Wohlbefinden. Sie fühlt sich an wie ein stabiler Klang, der keine Erlösung fordert. Dissonante Klänge fordern eine Lösung nach harmonischem Zustand. Das hat wohl auch damit zu tun, dass die Töne im „harmonischen“ Zustand einander zu ergänzen scheinen.

Machen Kinder anders Musik als Erwachsene?
Kinder sind spontaner, vielleicht deswegen auch intuitiver beim Musizieren, sie sind noch nicht so „vorgeformt“ wie Erwachsene. Bei Erwachsenen ist es immer eine neue Herausforderung, die Spontanität zu bewahren oder wiederzufinden. Beim Musizieren mit Erwachsenen wiederum hilft selbstverständlich ihre Erfahrung.

Gibt es musikalische und unmusikalische Menschen?
Ja!

Oder ist Musikalität eine Frage der Übung?
Musikalität kann man entwickeln, man braucht allerdings eine gewisse Begabung als Voraussetzung wie zum Beispiel auch beim Sport. Um eine Höchstleistung zu erzielen, muss man unglaublich viel und ständig üben.

Welche Bedeutung hat das Hören für das Musizieren?
Das Hören ist wohl das Wichtigste beim Musizieren, die Hauptvoraussetzung. Ohne das Hören kann man nicht zusammen spielen oder sich korrigieren und verbessern. Der Klang wird durch die Ohren unmittelbar und ständig beeinflusst. Ohne das Hören könnte man das Musizieren nicht genießen. Obwohl es eine taube englische Schlagzeugerin gibt, die gewisse Frequenzen in verschiedenen Teilen ihres Körpers fühlt - das ist aber ein völlig anderes Erleben von „Musizieren“.